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Interview mit einem Kinderarzt / -ärztin

Kurz nach der Geburt unserer Sprösslinge sind wir gefühlt fast wöchentlich beim Kinderarzt. Hier die U2/3/4 etc. und dazwischen die ganzen Impfungen. Vor allem mit mehreren Kindern könnte man eigentlich beim Kinderarzt schon fast nach einer Art Jahreskarte fragen, wie im Zoo… Wir sind so oft zu Besuch, dass ich mir dann einmal die Frage stellte: wie ist das eigentlich so für einen Kinderarzt? Um diese Einblicke gewinnen zu können habe ich ein Interview mit der Katrin machen können. Katrin ist Kinderarzt und war so nett, uns ein bisschen was aus ihrem Berufsalltag zu erzählen.


Hey Katrin, stell dich doch bitte meinen Lesern ganz kurz vor: Wer du bist und was du so machst.

Hallo liebe Leserinnen und Leser. Ich bin Katrin, 26 Jahre alt, und seit ca. 1,5 Jahren in meiner Weiterbildung zur Kinder- und Jugendärztin in einer Klinik tätig.

Innerhalb dieser 1,5 Jahren hast du sicherlich schon einiges erleben können.  Schönes wie auch Schreckliches.  Um uns auf die schönen Dinge zu konzentrieren: Was war so das Schönste was dir bisher in deinem Beruf als Kinderärztin widerfahren ist?

Oh das ist schwer zu sagen, was für mich „das“ schönste Erlebnis bisher war. Es gibt und gab immer wieder sehr schöne Erlebnisse. Wenn ich mich an mein Medizinstudium zurückerinnere, war einer der schönsten Momente eine Begegnung mit einem kleinen Mädchen, während meines praktischen Jahres. Sie wurde während der morgendlichen Visite von der Oberärztin untersucht und danach kam sie mit ihren lockigen Haaren und strahlenden Augen zu mir und fragte: „Untersuchst du auch noch meinen Teddybären? Dem geht es glaube ich auch nicht so gut“. Das sind die Momente, bei denen man wieder weiß, warum man diesen Job macht. Was natürlich auch immer ganz besonders ist, ist, wenn man bei einer Geburt dabei sein darf oder wenn ein Kind, dass wochenlang in der Klinik lag, endlich nach Hause darf und sich dafür bedankt, dass man ihn/sie gesund gemacht hat.

Wow! Den Teddybären behandeln zu dürfen ist definitiv eine Ehre. Ich glaube viele Eltern wissen, dass das was heißen mag 😉 Was war das lustigste/absurdeste was dir im Umgang mit einem Kind bisher passiert ist?

Puh, das ist eine gute Frage.  Vor Kurzem kam ein Junge zur mir, weil er etwas im Ohr stecken hatte. Als ich genauer fragte, was passiert ist, erzählte er, dass er mit einer Spielzeugpistole aus Versehen gegen einen Schrank geschossen habe. Die Kugel sei dann am Schrank abgeprallt, gegen seinen Tisch und dann in sein rechtes Ohr. Weil es jetzt nach 2 Wochen weh tuen würde, sei er gekommen.

Oh man. Ob das nun so war wie der Junge behauptet oder nicht, lässt sich ja leider nicht mehr herausfinden. Was mich mal noch interessieren würde, wie viele Arztbesuche beim Notarzt denn tatsächlich notwendig sind und wie viele “Patienten” wieder heimgeschickt werden.

Also die Mehrheit der Kinder, die in die Notaufnahme kommt, wird wieder heimgeschickt. Auch wenn sich das jetzt während der Coronazeit sehr verändert hat. Früher kamen viele in die Notaufnahme, ohne dass sie etwas Schlimmes hatten. Sie hätten genauso gut noch bis zum nächsten Tag warten können, bis ihr Kinderarzt wieder offen hat. Doch in letzter Zeit kommen doch häufiger Kinder, die dann schwerer krank sind und sofort aufgenommen werden müssen, da die ganzen banalen Infekte, wie Magen-Darm-Infektionen, Luftwegsinfektionen oder Rachenentzündungen durch Corona und die ganzen Hygienemaßnahmen deutlich abgenommen haben.
Letztens hatte ich aber auch eine Begegnung in der Notaufnahme, welche echt unsinnig war. Es kam eine Mutter mit ihrem kleinen Kind, weil es für ein paar Sekunden aus der Nase geblutet habe. Es würde schon nicht mehr bluten, aber sie wollte jetzt nicht bis Montag warten, bis ihre Kinderärztin wieder da ist, nicht, dass es doch etwas schlimmes ist. Man muss erwähnen, dass das Kind auch noch einen Schnupfen hatte und einfach eine trockene Nase und ansonsten total gut drauf war.

Da frägt man sich ja schon was da los ist. Das hat ja alles mit der Unsicherheit der Eltern zu tun. Es wird schnell gegoogelt und das Ergebniss ist eigentlich immer das Selbe: Ab zum Arzt. Die Aussage “lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt” hat ja trotzdem seine Berechtigung. Oder wie siehst du das?

Ja auf jeden Fall. Lieber zum Arzt gehen und die Sachen abklären lassen, bevor man daheim wartet, beunruhigt ist und doch lieber zum Arzt hätte gehen sollen. Es ist ja schließlich auch unser Job und nicht schlimm, wenn man auch mal wegen etwas Banalem kommt und dann danach beruhigt ist, dass alles in Ordnung und halb so schlimm ist. Und wenn es mal nicht so ist, kann man gleich handeln und die Sache wieder in Ordnung bringen.

Da Stimme ich dir absolut zu. Bevor wir das Interview beenden, hast du noch irgendwelche tollen Tipps für junge Eltern?
  1. Die Nerven behalten
  2. Sich auf die Abenteuer mit einem Kind freuen
  3. Wenn das Kind noch sehr klein ist und irgendetwas anders als sonst ist, lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt gehen
  4. Möglichst alle Dinge, die ein Kind nicht schlucken oder essen sollte, ganz weit wegräumen. Man glaubt gar nicht, was ein Kind so alles essen oder trinken kann 😉
  5. Unfälle passieren, man kann die Kinder schließlich nicht festketten

Dein letzter Tipp sagt eigentlich auch alles: Kinder nicht in Watte packen und sie die Welt entdecken lassen. Leider gehören hier und da kleine Blessuren dazu. Und ist es doch mal etwas größeres und wir Eltern können nicht mehr weiter helfen, würde ich mich freuen, bei dir in der Notaufnahme zu landen 🙂 Ich wünsche dir in deiner Zeit als Kinderärztin noch viele Kinder, die sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht bei dir für deine Hilfe bedanken oder ihr geliebtes Kuscheltier von dir behandeln lassen.
Vielen Dank für das kleine Interview!

Du möchtest weitere Interview’s lesen? Dann schau doch auch mal dieses Interview mit Carina von littleresearchers.de an.

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2 Antworten auf „Interview mit einem Kinderarzt / -ärztin“

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