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Papa Momente

Erziehung und Konsequenz – ohne geht nicht

An irgendeinem Punkt habe ich bei J.J. verpasst, ein konsequentes Verhalten durchzuziehen. Jetzt mit fast zwei Jahren hat J.J. mich durchschaut und nutzt meine Nachgiebigkeit absolut aus.

Theater beim Wickeln

Ich wollte sie wickeln, sie wollte nicht. Ich habe versucht sie zu überreden und es begann ein ewiges Hin und Her. Am Ende habe ich sie im Stehen auf dem Fensterbrett gewickelt, weil ihr das gut gefallen hat. Oder wir haben vorm Wickeln zur Ablenkung noch kurz etwas gespielt und dann Spielzeug mitgenommen. Oder sie hat geweint und sich beschwert und ich habe dann lange und ausgiebig versucht, sie zu überzeugen bis es geklappt hat. Ebenso beim Essen oder Umziehen.

Als J.J. nicht in der Kita war und wir zeitlich nicht gebunden waren, ging das noch einigermaßen. Aber jetzt wo der Alltag wieder geregelter ist und dadurch oft wenig Zeit zur Verfügung steht, funktioniert das einfach nicht. In der Früh haben wir eine Stunde Zeit zu Frühstücken, Umziehen und dann Wickeln und Zähneputzen. Da kann ich mir keine ausartenden Diskussionen oder Verspieltheiten mehr leisten. Es muss gewickelt werden, da führt nun nichts mehr dran vorbei.

Am Rande der Verzweifelung

Nach einer Woche morgentlichem Geschrei habe ich verzweifelt in der Kita gefragt, wie es denn bei ihnen funktioniert. Die Betreuerin meinte zu mir: „Bei uns wird am Wickeltisch liegen geblieben und auch beim Essen gibt es kein Theater. J.J. hat halt von Anfang an gelernt, dass wir konsequent sind und beim Wickeln nicht aufgestanden werden darf“.

Betonung lag auf konsequent. J.J. hatte wohl durchaus auch in der Kita versucht, sich auf der Wickelkommode zu drehen, die Betreuer unterbinden das aber sofort. Das heißt, J.J. hat gelernt, dass sie mit dem Versuch in der Kita und z. B. auch bei meiner Frau nicht weit kommt. Der Tipp der Betreuer lautet also:

Konsequent sein und bleiben

Leichter gesagt als getan. Seitdem ich versuche, das konsequente Verhalten umzusetzen, fällt mir erstmal auf in wie vielen Bereichen ich eben nicht konsequent gehandelt habe. Plötzlich merke ich, dass ich mir hier Schritt für Schritt mein eigenes Grab geschaufelt habe. Jetzt gilt es also für mich, das wieder in Ordnung zu bringen 🙁

3 Tage habe ich beim Wickeln absoluten Terror gehabt. Sie hat es nicht verstanden, dass sie sich plötzlich nicht mehr drehen darf und dass ich plötzlich nicht mehr Stunden mit ihr diskutiere. Das musste sie natürlich erstmal schlucken und verarbeiten. Am vierten Tag hat es plötzlich klick gemacht und es wurde deutlich entspannter. Sie hat sich zwar noch weiterhin beschwert, aber windete sich nicht mehr in alle Richtungen und blieb einfach liegen. Wenn sie sich dann doch mal windet und drehen möchte, sage ich in einem strengen Ton „NEIN, sonst kann ich dich nicht ordentlich wickeln“.

Ähnlich läuft es beim Umziehen. Ich gebe ihr die Möglichkeit, es friedlich und gemeinsam zu machen. Wenn sie aber beim zweiten mal „Wir ziehen dich jetzt an“ nicht reagiert und sich beschwert, gehe ich zu ihr und ziehe sie auch gegen ihren Protest an. Ich weiß, dass klingt total hart. Fühlt sich leider auch so an.

Am Ende ist es sogar besser

Ich habe aber sogar das Gefühl, dass ihr diese Konsequenz ganz gut tut. Während sie sich früher manchmal 30 Minuten beschwert und geweint hat, beschwert sie sich jetzt zwar auch aber nach maximal 5 Minuten ist die Sache auch schon erledigt. Die schwierige Situation ist am Ende schneller vorbei, wir können die kleine Maus ablenken und in den Tag starten.

Leicht fällt mir das nicht immer, gerade eben erst bin ich wieder voll in das alte Muster gefallen und hatte 1 Stunde Geschrei vorm und beim Zubettgehen, weil sich Madame komplett Quer gestellt hat. Nach mehrmaligem Auffordern bzw. Fragen und Bitten hat sie immer noch nicht mitmachen wollen. Ich habe es nicht über das Herz gebracht, sie zu „packen“ und anzuziehen, sodass wir einfach nicht voran kamen und sich die Schrei-Spirale, auf die Kosten meiner Nerven, munter drehte…

Auch hier ist man nicht allein

Man kann es nicht oft genug sagen: es tut allein schon gut zu hören, dass es anderen auch so geht – deswegen schreibe ich hier und bin froh um unsere Freunde, mit denen wir uns gut austauschen können.

Manchmal fühlt sich Kindererziehung echt so an, wie in eine Schlacht zu ziehen. Aber wie schön ist es, wenn man merkt, dass es dem Kind gut tut!

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