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Papa Momente

Bitte nicht helfen!

Als ich meinen Beitrag “Willkommen in der Autonomiephase” geschrieben habe, habe ich zwar gewusst, dass es noch schlimmer wird, aber dass es so schlimm wird, hätte ich nicht gedacht. Damals war J.J. mit knapp 1,5 Jahren so im Einstieg der Autonomiephase. Jetzt, 1 Jahr später, arbeitet sie sich wohl in Richtung Höhepunkt dieser ach so tollen Phase. Es muss alles, wirklich alles, selbst gemacht werden. Wie wir irgendwie damit klar kommen, könnt ihr in meinem Beitrag “Bitte nicht helfen” lesen.

” Bitte helfen sie mir nicht”

Zu Hause haben wir das meistens sehr gut im Griff. Wenn J.J. etwas selbst machen möchte aber wir ihr zuvor kommen, heißt es: Schnell einlenken, Sachen rückgängig machen und J.J. machen lassen. Das klappt für uns gut und meistens können wir so den ein oder anderen Wutanfall in Luft auflösen. Klar, manchmal klappt es nicht, weil J.J. es einfach noch nicht kann oder es zu gefährlich wäre. Da müssen wir dann entsprechend übernehmen und J.J. muss einfach durch. Oder doch eher wir Eltern? Den Wutanfall auszuhalten ist dann nicht ganz so einfach.

Vor allem wenn es draußen in der Öffentlichkeit passiert. Hier und da helfen uns andere Menschen, indem sie uns die Türe aufhalten oder einen Stock aufheben und J.J. geben wollen. In solchen Momenten sehe ich schon voraus was passiert und denke mir nur: “bitte, bitte helfen Sie mir nicht, machen Sie die Türe zu!” oder “legen Sie den Stock einfach wieder auf den Boden!” Leider hören die Menschen meine Gedanken nicht und auch der Hinweis: „Einfach lassen, das passt schon“ wird häufig mit einem Stirnrunzeln kommentiert. Geholfen wird dann natürlich trotzdem.

In der Folge fängt J.J. absolut entsetzt an zu schreien und steigert sich in ihren Wutanfall rein.  Die Leute schauen mich verständnislos an. Ich versuche zu vermitteln, dass mein kleines wutentladendes Monster das selber machen möchte und sie die Türe doch bitte wieder zu machen sollen.

Die Reaktion der Leute ist eigentlich immer die selbe: ich werde angeschaut wie ein Stück Brot und viele gehen kopfschüttelnd weiter.

Ich schäme mich ein wenig, weil es ja eigentlich nett gemeint ist und es so komisch ist, diese “Hilfe” nicht anzunehmen.

Ich frage mich was die Leute denken. Denken sie sich vielleicht: “Warum will sich der nicht von mir helfen lassen? Hab ich was falsch gemacht?”

Ich bedanke mich immer wieder für die angebotene Hilfe und mache ihnen klar, dass J.J. hier etwas schwierig ist, es aber total lieb ist, dass man uns helfen möchte.

In der Kita verstehen das die meisten Eltern, aber es wundert mich auch ein wenig, warum es manche Eltern so gar nicht verstehen können. Es wirkt so, als ob ihre Kinder überhaupt keine Probleme in dieser Hinsicht hätten.

Was machen denn die anderen Eltern anders oder sogar besser als wir? Es scheint, als wäre es manchen Kindern egal, wer die Tür aufmacht. Sie haben kein Problem damit, wenn man ihnen die Türe aufhält oder sogar Hilfe anbietet.

Warum ist mein Kind nicht so gechillt, wie die anderen?

Also J.J. würde ich ja schon eher als extrovertiert und durchsetzungsfähig beschreiben. Aber vielleicht ist es nicht ausschließlich eine Frage des Wesens, wie ein Kind durch seine Autonomiephase schlittert. Ich beobachte z.B. in der Kita oft, wie die Kinder von den Eltern durch die Türe getragen werden und manchmal auch beim Ausziehen wenig selbst machen – sicher auch aus zeitlichen Gründen. Ist das aber vielleicht schon eine Art der Einschränkung von Selbstständigkeit? Und selbstständigere Kinder fordern die Selbstständigkeit, die sie gewohnt sind, vehementer ein? Aber ich kann ja mein Kind auch nicht einfach alles selber machen lassen. Am Ende müssen das die Eltern entscheiden, welchen Weg sie finden zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und denen des Kindes.

Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage was ich eigentlich möchte. Ein Kind, welches eher ruhig ist und mehr oder weniger alles mit sich machen lässt oder doch lieber ein Kind, das nach selbstständigen Handeln strebt und kein Problem damit hat, das gegebenenfalls lautstark zu vermitteln? In der Tat ist mir zweiteres lieber. Es ist zwar manchmal echt anstrengend und auch mit dem ein oder anderen unangenehmen Gefühl in der Öffentlichkeit verbunden, aber am Ende werden meine Kinder hoffentlich so, dass sie wissen was sie möchten und das auch vermitteln können. Daher versuchen wir, J.J. so viel es geht eben selbst machen zu lassen, sei es den Tisch zu decken oder diese Türe in der Kita immer selber zu öffnen und zu schließen.

Wie ist das bei euch? Habt ihr ein Kind, das da absolut entspannt ist, oder doch eher ein Kind, das streng darauf pocht alles selbst zu machen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.

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7 Antworten auf „Bitte nicht helfen!“

Hallo Maximilian,

ich bin heute zum ersten Mal auf deinem Blog. Es ist für uns echt witzig, wie du 1:1 dieselbe Situation beschreibst, die wir mit unserem knapp Dreijährigen hatten (ich schreibe “hatten”, weil der Höhepunkt bislang mit 2 1/2 erreicht war, heißt aber nicht, dass sich das Verhalten bereits komplett gelegt hätte. Auch wir machen noch regelmäßig Handlungen rückgängig oder fragen ihn, bevor wir z.B. einfach so ihm sein Glas füllen oder das Brot schmieren. Mancher Schreikrampf kann abgewendet werden, indem wir ihm bereits vorher erklären warum wir das nun selber machen. Und auf einmal sind unsere angeblich so ichbezogenen Kleinkinder doch voller Verständnis. Ich habe auch keine Angst, mein Kind zu sehr mit Samthandschuhen anzufassen, im Gegenteil: für willensstarke Kinder bieten sich dennoch täglich Gelegenheiten, Frustrationstoleranz zu üben. Und Entwicklungsphasen hin oder her. Kinder kommen auch mit einem bestimmten Temperament auf die Welt. Ich schaue unserem Kind jedenfalls gerne beim selbstständig werden zu, jeden Tag aufs Neue :).

Hallo Nadja,

Danke für deinen Kommentar.

Ich kann dir eigentlich nur zustimmen. Die Kids beim groß werden zu beobachten macht einfach am meisten Spaß. Mit Höhen und Tiefen. Keiner meinte es ist ein Kinderspiel 😉

Haha ich stelle mir gerade vor wie sich ein Vater auf den Boden schmeißt und schreit, weil ihm jemand die Türe aufhält und das Kind steht daneben, schaut zu und lernt 😀 😀

Sorry, aber ich habe das Gefühl, dass ihr für eure Fehler immer irgendwelche Phasen eurer Kinder als Ausreden sucht!
Mensch erzieht das Kind richtig und macht nicht so ein Ding aus allem. Das ist ja fast schon lächerlich was hier geschrieben wird.

Hallo Friedrich,

Danke für deinen Kommentar. Was mich jetzt aber doch interessieren würde ist wie sie in solchen Situationen reagieren? Also Situationen in denen das Kind lieber selbst gemacht hätte und eigentlich auch nichts dagegenspricht.

Hallo Maximilian,
Toll, dass du antwortest.
Ich finde, hier habt Probleme mit euren Kindern die sonst kaum jemand hat. Ich glaube Ihr solltet euch mal an eurer eigenen Nase packen und überlegen warum eure Kinder so reagieren. Meisten machen Sie doch fast alles ihren Eltern nach! Ich unterstelle euch nichts, gehe aber stark davon aus, dass Ihr das ganze so vorlebt…. Denkt mal darüber nach.
Desertieren finde ich toll wie du dich um deine Kinder kümmerst.. das sollte bei meiner Krizik nicht untergehen. Bist du alleinerziehender?

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