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50/50 Aufteilung in der Kindererziehung

Laut dem Statistischen Bundesamt nahmen 2019 gerade mal 2,6 % der Männer mit Kindern unter 3 Jahren Elternzeit in Anspruch. Während die Zahl bei den Frauen bei 42,2 % liegt. Zwar stieg die Zahl der Männer im Vergleich zu 2018 um ein paar Prozentpunkte an, ändert aber nichts an der Tatsache, dass in den meisten Beziehungen weiterhin eine ganz klare Rollenverteilung vorliegt. Je nach Ansicht ist die Frau der Verlierer oder der Gewinner. Familiär betrachtet ist die Frau der Gewinner. Die Zeit mit den Kindern ist meiner Meinung nach unbezahlbar. Kann die Frau in der Mutterrolle aber nicht 100 % aufblühen ist Frust vorprogrammiert.

So war es bei uns. Es war von Anfang an klar, dass meine Frau nach kurzer Zeit auch wieder arbeiten möchte. Nachdem für mich eine berufliche Karriere nicht an oberster Stelle steht war es also naheliegend, dass wir ein anderes Modell fahren und wirklich alles fair aufteilen. Also finanzielle Aspekte 50/50 und eben auch familiäre 50/50. Ich als Papa kann eben auch für das Kind sorgen und es gut füttern und über die Runden bringen.

Wie Funktioniert das

Wir haben eigentlich schon immer alles 50/50 geteilt. Wir teilten alle Kosten 50/50 auf. Es gibt eine Essenskasse die von uns beiden gleich befüllt wird und alle anderen Kosten werden geteilt. Warum sollten wir mit Kind dieses Prinzip ändern? Jeder von uns ist für seine Finanzen selbst verantwortlich. Es bleibt aber dabei, dass die Kosten 50/50 geteilt werden. Sprich wir müssen beide arbeiten.

Ich glaube ich kann mich als einen emanzipierten Vater beschreiben. Es war für mich von Anfang an selbstverständlich, dass ich nachts die Windeln wechsle und die Kleine in den Schlaf tröste. Oder auch um halb 6 mit meiner Tochter J. J. aufstehe und den Tag beginne. Mir ist all die Zeit mit ihr viel zu wichtig, als dass ich ein „klassisches“ Modell, in dem der Mann das Geld verdient und die Frau sich um die Kinder kümmert, fahren wollen würde. Und meiner Frau ist es zu wichtig auch mal Abstand zu bekommen und auch zu Arbeiten. Die Arbeit tut uns beiden gut und danach sind wir wieder voll für das Kind da.  Daher steht es einfach nicht zur Debatte es anders zu machen.

Auch wir sind mal genervt vom Kind

Oft erleben wir Eltern, vor allem Vollzeitmütter, die von ihrem Kind irgendwann genervt sind. Sie selbst sagen, dass es einfach auf die Nerven geht 24 Stunden nur für das Kind da zu sein. Und trotzdem ziehen sie es nicht in Betracht auch zu arbeiten und das Kind mal an ihren Mann abzugeben. Ist es die Angst sich von dem Kind zu trennen? Oder stempeln sich die Mütter dann selbst als „schlechte Mutter“ ab?

So ganz verstehen können wir das nicht. Natürlich sind auch wir mal genervt von der Kleinen. So steckt sie gerade mitten in der Trotzphase. Aber das Gute ist, die Zeit in der wir sie in der Phase erleben ist doch immer begrenzt. Der Partner übernimmt, man bekommt Abstand und kann dann wieder zur Seite stehen, wenn die Emotionen durch die Decke gehen.

Das Ruder abgeben

Was man aber sicher lernen muss, ist das Ruder abzugeben und den anderen nicht zu kontrollieren. Jeder von uns ist voll in der Thematik „Kind“ eingearbeitet und macht es auf seine Art und Weise. Plötzlich gibt es zwei Profis in Kindererziehung. Dass man hier dem anderen gerne seine Art aufdrücken möchte ist leider auch normal. Hier gibt es meiner Meinung nach auch am meisten Streitpotential. Man muss aber lernen zu akzeptieren, dass der andere es auf seine Art macht und diese Art auch seine Berechtigung hat.

Ich möchte nicht sagen, dass man dem Partner nicht einen anderen Weg, der vielleicht besser funktioniert, vorschlagen darf. Aber man muss auch verstehen, wenn der Weg keine Lösung für den anderen ist. Wir ticken halt ähnlich und doch ganz anders. Und wenn man sich vor Augen führt, dass beide sich so gut sie können um das Kind kümmern, dann kann das für das Kind im Prinzip nicht schlecht sein. Und sollte es doch mal zu viel werden, darf man das Kind auch dem Partner aufs Auge drücken und sich zurückziehen. Und danach mit neu getankter Energie wieder durchstarten.

Und trotzdem gibt es eine Aufgabenverteilung

Ja, ich gebe zu wir haben trotzdem eine Verteilung der Aufgaben, die sich irgendwie von ganz allein ergeben hat. So stehe ich in der Früh auf und ziehe J. J. um, frühstücke mit ihr, und mache sie fertig für die Kita. Meine Frau bringt sie meistens in die Kita und holt sie wieder ab und verbringt den Nachmittag mit ihr. Was aktuell besonders gut funktioniert, weil meine Frau wieder im Mutterschutz ist. Ich übernehme am Abend wieder und bringe sie dann häufig auch ins Bett.

Würden wir genaues Protokoll führen hätten wir aber wohl im Großen und Ganzen eine gleiche Verteilung der Aufgaben und landen wieder bei 50/50.

Am Ende sind alle Glücklich

Was das am Ende konkret bedeutet. Unsere Tochter bekommt mit Mama und Papa gleich viel Zeit. So hat sie zu uns beiden eine sehr schöne Bindung aufgebaut und bevorzugt keinen von uns. Sie sucht mal Trost bei Mama mal bei Papa. Lässt sich von uns beiden ins Bett bringen und füttern. Als Vater habe ich auch gelernt, dass den ganzen Tag das Kleinkind betreuen und Haushalt schmeißen anstrengend ist. Und auf der anderen Seite lernte meine Frau auch wie anstrengend es ist erst zu arbeiten und danach noch das Kind zu bespaßen.

Die Zeit mit dem Kind ist unbezahlbar

Die Kleine ist inzwischen 19 Monate alt und die Elternzeit ist leider schon rum. Heißt ich bin auch wieder in der Arbeit. Meine Frau ist wieder im Mutterschutz und die Kleine ist 6 Stunden am Tag in der Krippe. Weiterhin haben wir aber eine 50 / 50 Aufteilung. In der Früh frühstücken wir noch mit ihr zusammen und ich putze danach die Zähne. Anschließend bringt Mama sie in die Krippe und holt sie auch wieder ab. Danach darf ich übernehmen und die Zeit mit ihr genießen.

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2 Antworten auf „50/50 Aufteilung in der Kindererziehung“

Klasse, dass ihr euch für dieses Modell entschieden habt und wie ihr es gemeinsam angeht. Das ist für mich auch ein super Beispiel für aktive Vaterschaft!
LG, Richard von der Papammunity.de

Hi Richard,

danke für deinen Kommentar. Leider ist in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen, dass der Vater sich auch gut kümmern kann. Bleiben die Aufgaben meistens bei der Mutter.
Ein Umdenken in der Gesellschäft wäre wichtig. Auch die Arbeitgeber müssen mitspielen und bei Teilzeit-Vätern nicht jegliche Karrierechancen blockieren.

Liebe Grüße
Maximilian (derpapablog.de)

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